Hubschrauber und Drohnen – sicher koexistieren (VLOS, BVLOS, UAS/UAV)

Hubschrauber & Drohnen: VLOS vs. BVLOS, Regeln, Risiken & Tipps (DE/AT/CH)

Hubschrauber & Drohnen: VLOS vs. BVLOS, Regeln, Risiken & Tipps (DE/AT/CH)
Summary: Drohnen (UAS/UAV) treffen auf Hubschrauber im Tiefflug: BVLOS erklärt, Drohnen-Größen, Einsatzfelder, DACH-Statistiken & klare Sofortmaßnahmen bei Annäherung.

Warum „Hubschrauber und Drohnen“ ein echtes Sicherheits-Thema ist

Drohnen (UAS/UAV) sind im DACH-Raum im Alltag angekommen – Film, Inspektion, Vermessung, Blaulicht, Landwirtschaft. Gleichzeitig operieren Hubschrauber oft dort, wo Drohnen fliegen: in niedrigen Höhen (Rettungseinsätze, Polizei, Lasten-/Arbeitsflüge, An-/Abflüge an Heliports). Die zentrale Konsequenz: Konflikte entstehen meist in der „Very Low Level“-Zone – und Drohnen sind für Cockpit-Crews schwer zu sehen. In der Schweiz betont das BAZL ausdrücklich: Bemannte Luftfahrt hat Vortritt, und weil Pilot:innen Drohnen kaum frühzeitig erkennen, liegt die Verantwortung zum Ausweichen bei den Drohnenpilot:innen. Bundesamt für Zivilluftfahrt


Drohnen-Arten: „normal“ (VLOS) vs. BVLOS

VLOS (Visual Line of Sight)

VLOS bedeutet: Du hältst die Drohne ständig in Sichtweite und kannst Ausrichtung + Luftraum beobachten. In der Schweiz ist BVLOS in der offenen Kategorie verboten; erlaubt sind dort grundsätzlich nur Sichtflüge. Bundesamt für Zivilluftfahrt

BVLOS (Beyond Visual Line of Sight)

BVLOS heißt: Betrieb außerhalb der direkten Sichtlinie. Das ist in Europa typischerweise ein „Specific“-Thema: Du brauchst meist ein Konzept zur Risikobewertung (z. B. SORA) und passende Mitigations (z. B. Luftraumbeobachter, technische Detect-&-Avoid-Ansätze, definierte Notfallverfahren). EASA beschreibt u. a. Airspace Observers als taktische Maßnahme, um das Eindringen bemannter Luftfahrzeuge zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. EASA


Größenklassen (praktisch gedacht)

  • Mini (<250 g): beliebt für Freizeit/Travel, geringere kinetische Energie – aber nicht „risikofrei“.

  • Kompakt (250 g – 2 kg): typische Prosumer-Kamerasysteme, häufig in A2/A3-Kontexten relevant.

  • Industrie (2 – 25 kg): Mapping, Inspektion, Agrar, BOS – öfter „Specific“-Genehmigungen/Prozesse.

  • Schwer/High-End (>25 kg): selten, eher „Certified“-nahe Anwendungen / Sonderfälle.


Wofür Drohnen genutzt werden (und warum das Hubschrauber berührt)

Häufige Anwendungen

  • Foto/Film (Events, Tourismus, Immobilien)

  • Inspektion (Dächer, PV, Leitungen, Wind)

  • Vermessung/Mapping (Bau, Kiesgruben, Infrastruktur)

  • Landwirtschaft (Monitoring, punktuelle Ausbringung wo zulässig)

  • BOS/öffentliche Sicherheit (Lagebilder, Suche, Brand)

  • Testfelder/Logistik (erste BVLOS-Korridore, Pilotprojekte)

Viele dieser Missionen passieren nah an Siedlungen/Verkehrswegen – exakt dort, wo Hubschrauber z. B. für Rettung, Polizei oder Arbeitsflüge unterwegs sind.


Statistik: Nutzung & Registrierung nehmen sichtbar zu

Deutschland: Laut LBA-Statistik (Betreiberregistrierungen) stieg die Zahl registrierter UAS-Betreiber von 357.000 (2021) auf 705.840 (2024) – also ungefähr verdoppelt in drei Jahren. lba.de
Zusätzlich nennt die deutsche Digitalverwaltung Größenordnungen von rund 115.000 UAS-Betreiberregistrierungen sowie ca. 56.000 Kompetenznachweisen A1/A3 pro Jahr. digitale-verwaltung.de

Österreich: Austro Control meldete (Stand 2023) seit Start des EU-Regulativs Ende 2020 45.000 registrierte Drohnen-Betreiber:innen und 70.000 ausgestellte Drohnen-Führerscheine. austrocontrol.at
Im Geschäftsbericht 2024 wird außerdem von rund 61.500 Drohnen-Betreiber:innen gesprochen (weiterer Anstieg). austrocontrol.at

Schweiz: Die Schweiz lag 2023 bei nahezu 70.000 registrierten Betreiber:innen (Stand 31.12.2023). cockpit.aero
Im Juli 2024 sprach der Bund von über 80.000 registrierten Drohnenbetreibern. Admin News
Ein Bundesdokument nennt ca. 90.000 eingetragene Drohnenpilot:innen (Stand Oktober 2024). Admin News
Und Anfang 2025 wird „bereits über 90.000 registrierte Drohnenpilot:innen“ berichtet. agrartechnik.ch


Konflikte mit Hubschraubern: typische Szenarien

  • Rettungshubschrauber/HEMS: plötzlich, dynamisch, oft in Bodennähe beim Landeanflug

  • Polizei/Feuerwehr: Such- und Einsatzflüge, teils über Städten

  • Heliports/Spitäler: An- und Abflüge, oft unerwartet für Freizeitpiloten

  • Arbeitsflüge: Leitungsinspektion, Lastentransport, Vermessung

  • Tiefflugrouten/Übungsräume: je nach Region möglich (v. a. außerhalb dichter Kontrollzonen)

Merksatz: Hubschrauber „tauchen auf“ – Drohnen müssen so geplant werden, dass sie sofort aus dem Weg sind.


Sofortmaßnahme: Was tun, wenn ein Hubschrauber näher kommt?

In DACH gilt praktisch durchgehend: Bemannte Luftfahrt hat Vorrang. (Schweiz: ausdrücklich so formuliert; Deutschland: ebenso in Lehrmaterialien.) Bundesamt für Zivilluftfahrt+1

Wenn du einen Hubschrauber siehst oder hörst (oder unsicher bist):

  1. Nicht diskutieren – sofort handeln.

  2. Sinken lassen und schnellstmöglich landen, wenn sicher möglich. (Im Zweifel: landen.)

  3. Keine Steigflüge, nicht „noch schnell rüberziehen“.

  4. Seitlich weg aus der vermuteten Flugrichtung, falls Landung nicht sofort geht (z. B. Hindernisse) – dabei Höhe reduzieren.

  5. Bei Blaulichteinsatz in der Nähe: unverzüglich landen (Schweiz nennt das ausdrücklich). Bundesamt für Zivilluftfahrt

  6. Nach dem Ereignis: Flug abbrechen, Lage neu bewerten (Zonen, NOTAM, Umfeld).

BVLOS-spezifisch: BVLOS gehört nur mit sauberem Verfahren geflogen – inkl. Beobachter/Traffic-Monitoring und klarer „Lost-Link / manned aircraft incursion“-Prozedur (EASA nennt Airspace Observers als gängige taktische Maßnahme). EASA


Was Drohnennutzer über Luftfahrt & Tiefflug wissen sollten

  • 120 m AGL ist nicht „hubschrauberfrei“. Hubschrauber können je nach Einsatz sehr niedrig operieren.

  • Geozonen & Lufträume sind Teil der Flugvorbereitung. Nutze offizielle Karten/Apps:

    • Deutschland: DFS verweist auf Droniq/Maps zur sicheren Planung in Deutschland. DFS Deutsche Flugsicherung GmbH+1

    • Österreich: Austro Control Dronespace (Quick-Check, Flugplan/ATC-Freigaben in Kontrollzonen). dronespace.at+1

    • Schweiz: BAZL-Drohnenkarte / geo.admin („Wo darf ich fliegen?“) + Hinweise zu Einschränkungen. geo.admin.ch+1

  • „See and avoid“ ist für Drohnen einseitig. Du musst so fliegen, dass du ausweichst – der Hubschrauber sieht dich oft nicht. Bundesamt für Zivilluftfahrt


FAQ

Was bedeutet BVLOS?
BVLOS („Beyond Visual Line of Sight“) ist ein Drohnenflug außerhalb der direkten Sichtlinie. In Europa ist das typischerweise „Specific“-Betrieb mit Risikoanalyse/Autorisation, nicht der Standard-Freizeitflug. EASA+1

Was ist der Unterschied zwischen UAV und UAS?
UAV = unbemanntes Luftfahrzeug (das Fluggerät). UAS = System (Luftfahrzeug + Steuerung + Links + Betrieb). (Im Alltag werden die Begriffe oft gemischt.)

Wie viele Drohnenbetreiber gibt es in Deutschland?
Das LBA weist für 2024 705.840 registrierte UAS-Betreiber aus. lba.de

Wie ist die Entwicklung in Österreich?
Austro Control nannte 2023 45.000 registrierte Betreiber:innen (seit Ende 2020) und im Geschäftsbericht 2024 rund 61.500. austrocontrol.at+1

Wie ist die Entwicklung in der Schweiz?
Der Bund kommunizierte 2024 >80.000 registrierte Betreiber und Dokumente nennen etwa 90.000 registrierte Pilot:innen (Stand Okt 2024). Admin News+1

Darf ich BVLOS in der offenen Kategorie fliegen?
In der Schweiz ist BVLOS in der offenen Kategorie ausdrücklich verboten. Bundesamt für Zivilluftfahrt (In der EU ist BVLOS in der Regel ebenfalls nicht „Open“.)

Was muss ich tun, wenn ein Hubschrauber kommt?
Vorrang geben: Höhe reduzieren und sofort landen, wenn möglich; im Zweifel Flug abbrechen. Bundesamt für Zivilluftfahrt+1

Was sollte ich vor jedem Flug prüfen (Deutschland/Österreich/Schweiz)?
Geozonen/Restriktionen über offizielle Karten/Apps prüfen (Droniq Maps, Dronespace, BAZL-Drohnenkarte). Droniq+2dronespace.at+2

Warum sind Hubschrauber besonders relevant?
Weil sie häufig in niedrigen Höhen, kurzfristig und einsatzbedingt unterwegs sind – genau dort, wo Drohnen operieren.

Welche Zusatzidee für Betreiber?
Lege dir eine „Helikopter-Notfallkarte“ ins Case: Sound/Visual → Landen → Abbruch → Re-Check Geozone/NOTAM → Weiterflug nur neu geplant.

 

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