Kommerzialisierung sicherheitsrelevanter Fluginformationen – ein Risiko für die Luftfahrt?

Wenn Sicherheit wirklich oberste Priorität hat, darf Information kein Geschäftsmodell sein.

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Summary: Viele Staaten veröffentlichen ihre Daten zwar offiziell frei zugänglich, aber oft in Formaten, die nur schwer nutzbar sind: PDF-Flickwerk, unstrukturierte Tabellen, fragmentierte Portale. Kommerzielle Anbieter veredeln diese Daten und verkaufen sie als benutzerfreundliche Produkte. Das ist verständlich – aber es kann zu ungewolltem Wissensgefälle führen.

In der Luftfahrt steht die Sicherheit über allem. Piloten, Dispatcher und Crews verlassen sich täglich auf präzise, aktuelle und vollständige Informationen – von NOTAMs über Hindernisdaten bis hin zu Gesetzesänderungen. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich ein Trend etabliert: Immer mehr sicherheitsrelevante Informationen werden durch kommerzielle Anbieter aufbereitet, gebündelt oder sogar exklusiv zugänglich gemacht. Das wirft eine grundlegende Frage auf: Sollte im Bereich der Flugsicherheit überhaupt etwas hinter einer Paywall stehen?

Was steht auf dem Spiel?

NOTAMs, AIP-Daten, AIRAC-Updates und Hindernisinformationen sind nicht einfach „nice to have“. Sie entscheiden über:

  • sichere Flugrouten

  • Vermeidung von Gefahrenzonen

  • Planung von An- und Abflugverfahren

  • Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

  • Situationsbewusstsein in dynamischen Umgebungen

Diese Informationen müssen nicht nur korrekt, sondern auch barrierefrei zugänglich sein. Jeder Pilot – egal ob Airline-Captain, Cargo-Pilot, Fluglehrer oder Hobbyflieger – trägt Verantwortung für Menschenleben.

Das Problem: Kommerzialisierung und Fragmentierung

Viele Staaten veröffentlichen ihre Daten zwar offiziell frei zugänglich, aber oft in Formaten, die nur schwer nutzbar sind: PDF-Flickwerk, unstrukturierte Tabellen, fragmentierte Portale. Kommerzielle Anbieter veredeln diese Daten und verkaufen sie als benutzerfreundliche Produkte. Das ist verständlich – aber es kann zu ungewolltem Wissensgefälle führen.

Risiken:

  • Piloten mit weniger Budget haben schlechtere Informationsqualität

  • Wichtige Updates können in der Datenkette verzögert ankommen

  • Proprietäre Formate hindern offene Analyse oder Innovation

  • Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern entsteht

In einer sicherheitskritischen Branche sollte dies zu denken geben.

Sollten sicherheitsrelevante Fluginformationen kostenlos sein?

Ja – und zwar vollständig, strukturiert und maschinenlesbar.
Jede sicherheitsrelevante Information sollte weltweit ohne Einschränkungen zugänglich sein. Dazu gehören:

  • alle NOTAMs

  • alle AIP-Daten und Karten

  • alle Hindernis- und Geländedaten

  • alle gesetzlichen Änderungen, laufende Standards und Interpretationen

Kommerzielle Anbieter können weiterhin Mehrwertdienste anbieten – aber die Basisdaten sollten öffentlich bleiben. Informationstransparenz erhöht die Sicherheit, reduziert Fehlerquellen und stärkt die gesamte Luftfahrtgemeinschaft.

Ein besserer Weg vorwärts

  1. Offene Datenstandards (z. B. AIXM, IWXXM) fördern und durchsetzen.

  2. Zentrale, staatliche Plattformen, die moderne APIs bereitstellen.

  3. Globale Harmonisierung durch ICAO und regionale Behörden.

  4. Mehr Wettbewerb bei der Aufbereitung, nicht beim Zugang zu Rohdaten.

Wenn Sicherheit wirklich oberste Priorität hat, darf Information kein Geschäftsmodell sein.

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